Montag, 06.12.2021


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Im Gespräch mit Thomas Müller-Pering

Teil 2: Jede Breite lebt von ihrer Spitze und umgekehrt

Thomas Müller-Pering (50) gehört seit nahezu drei Jahrzehnten zu den führenden deutschen klassischen Gitarristen. Seit 1980 leitet er eine Hochschulklasse und gibt Meisterkurse im In- und Ausland. 1997 erhielt er eine Professur an der Franz-Liszt-Hochschule in Weimar.
Während der Aystettener Gitarrentage hatte ich die Gelegenheit mit ihm ein Gespräch zu führen.


→ Zum Teil 1 des Gesprächs

Stefan Schmidt im Gespräch mit Thomas Müller-Pering Stefan Schmidt im Gespräch mit Thomas Müller-Pering

Stefan Schmidt:
Spielt in Weimar bei der Ausbildung „Klassen musizieren“ an der Hochschule eine Rolle?

Thomas Müller-Pering:
In Weimar ist der Bachelor noch nicht ganz durch. Ich weiß aber, dass im dazugehörigen Konzept „Musizieren in Klassengröße“ mit eingebunden ist.
Interessant ist freilich dass bei JEKI (Jedem Kind ein Instrument) ca. 60 Prozent der Schüler Gitarre lernen wollen.

Stefan Schmidt:

Ja, die Erfahrung habe ich auch gemacht. Gitarrenschüler zu bekommen ist kein Problem.

Thomas Müller-Pering
Thomas Müller-Pering:
Wir hätten im Grunde genommen überhaupt keine Probleme, Publikum und interessierte Schüler zu rekrutieren. Leider wird es von Seiten der Hochschulen noch unterwandert. Ich kann es sogar verstehen, dass sich Kollegen den Leistungen in Gitarre gegenüber abfällig äußern, aber trotzdem muss man sagen, dass das Niveau insbesondere bei den ganz jungen Gitarristen gerade in den letzten Jahren unglaublich gewachsen ist. Früher waren es einzelne Gitarristen, inzwischen ist eine große Breite von Top-Leuten entstanden. Allein wenn Du beim „Andrés-Segovia-Wettbewerb“ in Velbert oder dem „Anna-Amalia-Wettbewerb“ in Weimar schaust..

Stefan Schmidt:

...ja schon, aber gerade die beiden Wettbewerbe sind auch sehr dominiert gerade von den östlichen Ländern. Wir haben zwar in Deutschland eine große Breite, aber in der Spitze sieht es noch dünn aus. Meiner Meinung nach werden immer noch viele Schüler nicht kompetent genug unterrichtet.

Thomas Müller-Pering:
Völlig richtig. Was nützt das früheste instrumentale Anfangen, wenn es nicht adäquat vermittelt wird? Da liegt noch vieles im Argen!

Stefan Schmidt
Stefan Schmidt:
Gut ist, dass es inzwischen Instrumente für kleine Kinder gibt und dass es nicht mehr ungewöhnlich ist, mit vier- bis fünfjährigen zu arbeiten. Ich finde jedoch, dass viele Kollegen das Leistungsvermögen der jüngsten Musiker unterschätzen. Aber gerade hier gibt es tolle Möglichkeiten, Kinder spielerisch ernsthaft zu fördern.

Thomas Müller-Pering:
Ja, aber die wenigsten haben dabei so viel Erfahrung wie Du jetzt speziell, durch die eigene Familie, aber auch durch die vielen Schüler, die schon sehr früh Unterricht bei Dir bekommen haben. Kompetente Frühförderung am Instrument wird an Hochschulen meiner Meinung nach noch zu wenig unterrichtet.

Stefan Schmidt:
Der Schwerpunkt an den Hochschulen liegt nach meiner Meinung immer noch zu sehr in der Ausbildung von Solisten. Ich finde, der Stellenwert des Unterrichtens müsste gleichwertig sein, denn jeder Virtuose wird später auch ein Teil seines Verdienstes mit Unterrichten bewerkstelligen.

Thomas Müller-Pering:
Vor allem wird es ja gerne auch mit Naserümpfen abgetan... Ich finde Unterrichten so schön und bereichernd. Man erlebt dabei so vieles, was man für sich selbst oder andere Schüler benutzen kann.

Stefan Schmidt:
Interessanterweise habe ich beim Unterrichten oft mehr gelernt als durchs Studium...

Thomas Müller-Pering: (lacht)
Dabei bist Du nicht alleine...

Stefan Schmidt:
Wenn sich Schüler weiterentwickeln, haben sie ja oft ähnliche Probleme, so wie wir früher. Sie sind aber meist erheblich früher dran und lösen es dadurch oft besser. Man erfährt auf jeden Fall sehr viel über sich selbst.

Thomas Müller-Pering:

Genauso empfinde ich es auch!
Vor meiner Arbeit an den Hochschulen habe ich ja auch eine Reihe von Jahren an Musikschulen unterrichtet.

Stefan Schmidt:
Und wie war dabei Deine Erfahrung? Hat es Dir Spass gemacht?

Thomas Müller-Pering:
Ja, sehr, aber ich hatte nur wenige, die wirklich interessiert waren. Die habe ich dann auf „Jugend musiziert“ vorbereitet. Die anderen wollten sich eher auf E-Gitarre ausrichten. Je mehr ich an der Hochschule zu tun hatte, desto weniger Zeit blieb mir dafür.

Stefan Schmidt:
Wann hast Du zum ersten Mal überhaupt unterrichtet?

Thomas Müller-Pering:
Da war ich ungefähr 15!

Stefan Schmidt:
Daher die Erfahrung! Ich finde, das spürt man bei Deinem Unterricht.

Thomas Müller-Pering
Thomas Müller-Pering:
Ja, aber es liegt vielleicht auch daran, dass ich jedes Jahr sehr viele Kurse gebe. So zwischen sechs und zehn sind es inzwischen. Du siehst einfach unglaublich viele unterschiedliche Gitarristen und jeder ist dabei ganz anders. Man muss dabei lernen, sich auf jeden neu einzustellen.
Aber was ich noch sagen wollte:
Irgendeine Form von „künstlerischer Gravitation“ muss es bei Dir geben, dass sich so viele wirkliche Ausnahmetalente bei Deinen Schülern befinden. Einfacher ist es sicher in der Hochschularbeit, wenn einer einen guten Ruf als Dozent hat, dann bekommt er einfach Anfragen von Gitarristen, die professionelle Ambitionen haben. Aber in einem überschaubaren Radius finde ich das wirklich faszinierend.

Stefan Schmidt:
Vielleicht liegt es auch an den vielen Vorspielen und Konzerten, die meine Schüler durchführen. Isabella (Selder) als die große Vorreiterin hat Jakob (Schmidt) und Jessica (Kaiser) wesentlich beeinflusst, die beeinflussen wieder jüngere und so entsteht ein richtiger Schneeballeffekt.
Gerade Jakob und Jessica vereint als Kaiser Schmidt Gitarrenduo haben eine ungeheure Wirkung auf Nachwuchsgitarristen.

Thomas Müller-Pering:
Ja, klar. Die sind auch außerordentlich professionell, gerade in dem Alter...
Im Hinblick auf Musikschüler haben die natürlich gerade mit ihrem Gesamtalter von 30 Jahren eine ganz besondere Ausstrahlung. Man sieht auch, dass sie mit großer Freude bei der Sache sind.

Um nochmal auf Kurse, Konzerte und meine Tätigkeit in Weimar zurückzukommen. Erstens ist es nicht zu unterschätzen, dass es für uns als Hochschullehrer wichtig ist und bleibt, sich auch weiterhin nach außen zu präsentieren. Wenn Du nur zu Hause sitzt und darauf wartest, dass Hochbegabte anrufen, dann klingelt es nicht so schnell. Für eine Hochschule ist es schon sehr wichtig, eine gewisse PR-Arbeit – in Form von Konzerten, Kursen, etc. - zu leisten. Davon profitieren natürlich auch die anderen Gitarrenklassen, da ich ja nicht jeden, der anfragt, nehmen kann. Die andere Sache ist für mich fast noch wichtiger. Ich glaube, dass man ein gewisses Kontingent an Erfahrung, Literaturkenntnissen und Begegnungen nur bekommt, wenn man raus geht und im In- und Ausland unterrichtet.
Man bringt immer wieder neue Eindrücke davon nach Hause und davon profitieren wieder meine Studenten, auch wenn sie manchmal nur zweimal im Monat Unterricht haben. Und sie profitieren davon mehr, als wenn ich jede Woche da wäre, aber ohne die entsprechende Erfahrung, die ich durch meine Kurs- und Konzertarbeit mir angeeignet habe.

Stefan Schmidt:
Vielen Dank für die vielen Infos und das tolle Gespräch!

→ Zum Teil 1 des Gesprächs
 
erstellt am 19.11.2008